Schon gewusst

Wert ist nicht gleich Preis

Es gibt verschiedene Verfahren, um den Wert eines Unternehmens zu ermitteln. Je nach Branche, Größe oder Unternehmensform bieten sich andere Methoden an. Beim einen gibt der Gewinn den Ausschlag, beim anderen die teuren Maschinen. Dabei gilt: Der ermittelte Wert ist immer nur eine Orientierungsgröße. Den tatsächlichen Kaufpreis regeln dann Angebot und Nachfrage.

Die beim KMUrechner verwendete Ertragswertmethode ist die betriebswirtschaftlich anerkannte Methode, um einen Unternehmenswert zu bestimmen. Dabei werden zukünftig erwartete Gewinne mit dem unternehmensspezifischen Risiko abgezinst. Die unterstellten zukünftigen Gewinne, werden anhand von vergangenen Gewinnen und plausiblen Prognosen geschätzt. Der Vorteil dieser Methode ist, dass vor allem die Zukunft des Unternehmens im Vordergrund steht. Welche Gewinne erwirtschaftet werden, ist für Käufer in der Regel interessanter als z.B. die Sachwerte eines Unternehmens.

Andere Bewertungsmethoden basieren auch auf anderen Berechnungsgrundlagen: Die Substanzwertmethode z.B. berechnet den Wert des Unternehmens anhand der Summe des Nettovermögens. Daneben gibt es in vielen Branchen Praxismethoden wie Umsatz-Multiples oder die Orientierung an speziellen Kenngrößen. Viele Verkäufe scheitern, weil Verkäufer und Käufer extrem unterschiedliche Vorstellungen über den Kaufpreis haben. Untersuchungen zeigen, dass bei einem Drittel aller Fälle die Preisvorstellungen der Verkäufer einfach zu hoch sind. Benatworten Sie als Übergeber doch die Frage, was Sie wären wären, für Ihr Unternehmen zu zahlen. Und als Übernehmernder berechnen Sie mal den Wert aus Sicht eines Verkäufers.

Bewertung von Familienunternehmen

Betriebswirtschaftliche Verfahren zur Unternehmensbewertung wie das Ertragswertverfahren finden in der Praxis zwar häufig Anwendung, haben aber speziell für Familienunternehmen einen Nachteil: sie berücksichtigen den Einfluss der Inhaber bzw. der Unternehmerfamilie auf den Unternehmenswert in der Regel gar nicht. Aus der besonderen Stellung der Familie im Unternehmen ergeben sich jedoch besondere Chancen, aber auch besondere Risiken, die bei der Bewertung dezidiert zu berücksichtigen sind. Ein besonderes Engagement, die regionale Verbundenheit oder auch besondere Kontakte des Inhabers haben Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens. Daher berücksichtigt der KMUrechner dezidiert die Inhaberabhängigkeit vom Unternehmer in Familienunternehmen.

Korrektur des Jahresabschlusses

In der Praxis besteht vor allem bei kleineren Unternehmen eine unmittelbare Verzahnung von Familien- und Unternehmensfinanzen: Wenn Bedürfnisse der Inhaberfamilie durch den „Griff in die Kasse“ gestillt werden, wenn „persönliche“ Ausgaben betrieblich angesetzt werden, ist dies bei korrekter Verbuchung und in den vorgegebenen Grenzen zwar durchaus legal, erschwert aber die Messung und Erfolgskontrolle im Unternehmen z.B. bei der Bewertung.

Hinzu kommen rechtliche Buchungsvorschriften, die das wirtschaftliche Ergebnis verzerren. Dazu zählen neben einem Vergleichsmaßstäben standhaltenden Unternehmergehalt auch nicht erfasste kalkulatorische Gehälter von Familienangehörigen (z. B. der Ehepartner, der abends Rechnungen schreibt), kalkulatorische Mieten – sofern die gezahlte von der marktüblichen Miete abweicht – sowie alle einmaligen Ertrags- und Aufwandspositionen, die nicht dem operativen Geschäft zuzurechnen sind: z. B. Sonderabschreibungen durch Lagerbrand, Versicherungsentschädigungen o.a.. Eine saubere Korrektur dieser Positionen ist für die Bewertung daher sehr wichtig.

Realistisch planen

Eine sorgfältige Unternehmensplanung ist nicht nur die Basis für eine realistische Unternehmensbewertung. Sie reduziert darüber hinaus Risiken, hilft dabei, alles im Blick zu behalten und gibt konkrete Ziele vor. Sie können einiges dafür tun, dass Sie durch eine durchdachte Unternehmensplanung Ihr Unternehmen stabilisieren.

Wie gehen Sie dabei vor: Zunächst müssen Sie Ihre aktuelle Situation analysieren. Hierfür ist die detaillierte Betrachtung der vergangenen Jahre hilfreich. Der gesamte Betrieb muss hinsichtlich seiner Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken eingehend beleuchtet werden. Diese detaillierte Analyse umfasst sowohl die Produkte, den Markt, die Kunden- und Lieferantenstruktur, die Organisation, das Management und die Beurteilung bisher getroffener Notfall- und Nachfolgeregelungen als auch die Analyse der Unternehmenszahlen. Die Trends aus der Vergangenheit sind dann eine erste Planungsbasis. Davon ausgehend können Sie die Entwicklung der einzelnen Positionen der Gewinn- und Verlustrechnung abschätzen. Damit Sie Ihre Lage realistisch bewerten können, müssen Sie vor allem ehrlich zu sich selbst sein. Also weder alles beschönigen, noch zu kritisch in die Zukunft blicken.

Welches Jahr ist typisch?

Unter Gewichtung versteht man die Bewertung einzelner Einflussgrößen eines mathematischen Modells hinsichtlich ihrer Wichtigkeit, Typischkeit oder Zuverlässigkeit. Sie führt dazu, dass wichtigere, typischere oder zuverlässigere Elemente größeren Einfluss auf das Ergebnis haben. Entscheidend für die Qualität des gewichteten Wertes ist die Angemessenheit des Gewichtungsfaktors. Die Entscheidung über diese Gewichtung hängt zum größten Teil von Ihrer subjektiven Einschätzung ab. Unter Umständen ist die Vergangenheit stärker zu gewichten, weil dabei auf vorliegende und reelle Werte zurückgegriffen werden kann – ein Schwerpunkt auf den zukünftigen Erträgen kann aus Sicht eines Erwerbers eines Unternehmens der richtige Weg sein. Prüfen Sie doch einmal, was bei einer Alternativgewichtung der einzelnen Jahre herauskommt, um die Auswirkung auf den Unternehmenswert kritisch hinterfragen zu können.

Die Risiken bestimmen den Zins

Grundlage der Bestimmung des Unternehmenswertes ist die geplante Unternehmensentwicklung der nächsten Jahre. Die dazu notwendigen Plandaten sind mit Unsicherheit behaftet. Die Gefahr, Ziele zu verfehlen, bezeichnet man als Risiko. Diese kann man in einem Zinssatz messen. Den kennen Sie sicher schon aus Ihren eigenen Finanzaktivitäten. Wenn Sie auf Sicherheit aus sind, legen Sie Ihr Geld eher in soliden Staatsanleihen an und nehmen einen geringen Zinssatz in Kauf. Haben Sie einen langen spekulativen „Atem“ und sind auf das Geld nicht angewiesen, legen Sie es in Aktien an, die hohen Schwankungen erliegen können also ein hohes Risiko mit sich bringen aber auch richtig gute Zinsen bringen können. Das heißt, das von Ihnen eingeschätzte Risiko bestimmt die Höhe des Zinssatzes.

Wie bewertet man denn nun das Risiko eines KMU? Anders als bei Großunternehmen scheidet bei kleinen und mittleren Betrieben die Anwendung standardisierter, kapitalmarktbezogener Risikoprämien aus. Es muss in jedem Fall betriebsindividuell beurteilt werden. Betriebsspezifische Risikofaktoren und die Inhaberabhängigkeit, die auch nach dem Verkauf noch eine gewisse Zeit nachwirkt, müssen berücksichtigt werden. Typische Risikofaktoren kommen aus den Bereichen Produkt- und Leistungsangebot, Markt und Branche, Beziehungen, Mitarbeiter und Organisation. Somit kann beispielsweise die höhere Abhängigkeit vom Management im Vergleich zu börsennotierten Unternehmen oder die geringere Marktmacht mittelständischer Unternehmen in der Branche berücksichtigt werden. Je niedriger das Risiko anzusetzen ist, desto niedriger fällt der Zins aus.

Praxis vor Theorie

In der betriebswirtschaftlichen Theorie sind alternative komplexe Modelle zur Unternehmensbewertung entwickelt worden. Sie kranken jedoch zum einen an Plausibilisierungsproblemen: So wird es faktisch schwierig, den Liquidationswert für das Jahr 30 nach dem Bewertungsstichtag zu ermitteln, wie bei der Annahme einer endlichen Lebensdauer des Unternehmens erforderlich. Oder sie verbessern das Ergebnis nur scheinbar: Oft wird um jeden Euro Gewinn in der Planungsrechnung gerungen, der Zinssatz jedoch ohne ihn zu hinterfragen aus veröffentlichten Verkaufsstatistiken übernommen, obwohl hier der größte Spielraum für eine subjektive Bewertung liegt.

Für die Praxis hat das Institut der Wirtschaftsprüfer mit dem Standard S1 eine – an großen Unternehmen orientierte – Arbeitsanleitung für die Unternehmensbewertung herausgegeben. In einer Ergänzung sind einige Passagen KMU-spezifisch angepasst worden. Für kleinere Unternehmen wird zumeist die sogenannte Rentenbarwertformel verwendet – eine weitere Vereinfachung, die durchaus vertretbar ist, wenn die oben genannten Prämissen an die Analyse der Ergebnisse, die saubere Planung und die Herleitung eines adäquaten Kapitalisierungszinsfußes eingehalten werden.

Finanzierungsfragen

Die Finanzierung eines Unternehmenskaufs ist sowohl für einen Erwerber als auch für den Verkäufer von erheblicher Bedeutung. Für beide ist zunächst relevant, ob der vereinbarte Kaufpreis überhaupt finanzierbar ist. Das ist nur dann egal, wenn der Käufer in der Lage ist, den Kaufpreis aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Aber es stellen sich auch ganz andere Fragen: Der Verkäufer muss z.B. überlegen, wie er das Vermögen aus dem Verkauf des Unternehmens nutzen will, um für sich und seine Familie langfristig ein Auskommen zu sichern. Die Erstellung einer Finanzplanung ist dabei ein wichtiges Hilfsmittel. Auch die steueroptimale Gestaltung des Kaufvertrags hat Auswirkungen darauf, wieviel Geld denn am Ende tatsächlich übrig bleibt. Für einen Erwerber ist es besonders wichtig, Vor- und Nachteile einzelner Finanzierungsarten abzuwägen und die richtigen Instrumente zur Förderung zu kennen und zu beantragen. Informieren lohnt sich!

Kreditfinanzierung oder mehr?

Die wenigsten Käufer eines Unternehmens können den gesamten Kaufpreis mit eigenen Mitteln finanzieren. Dann muss der Teil des Kaufpreises, der fremdfinanziert wird, aus den zukünftigen Erträgen des Unternehmens refinanziert werden.
Dabei gilt es die „richtigen“ Kapitalgeber zu finden! Ein erster Weg sollte zur bisherigen Hausbank des Unternehmens führen, denn die kennt den Betrieb und ist deshalb oft tatsächlich die Bank des Vertrauens.. Aber vergleichen lohnt natürlich, ein bis zwei weitere Angebote sind sinnvoll, um die richtige Wahl zu treffen. Dabei sind nicht nur die Zinskosten ausschlaggebend.Rahmenbedingungen des Kredits, wie Sicherheiten, Nebenkosten oder auch die (gute) Betreuung durch das Institut sind elementare Entscheidungskriterien für die langfristige Zusammenarbeit. In der Regel können staatliche Fördermittel bei einem Unternehmenskauf genutzt werden, die vergünstigte Zinssätze und/oder Tilgungserleichterungen ermöglichen und über die Hausbank mit beantragt werden.

Sollte es nicht möglich sein, den Kaufpreis über diesen Weg zu finanzieren, gibt es eine Vielzahl anderer Möglichkeiten. Das reicht von einem sog. Verkäuferdarlehen des bisherigen Inhabers über (regionale) Beteiligungsgesellschaften bis hin zur Beteiligung der Mitarbeiter. Auch eine andere Zahlungsform wie Ratenzahlung oder gewinnabhängige Zahlungsmodelle können helfen, eine Finanzierung zu realisieren. Auch hier hilft individuelle Beratung das passende Modell zu wählen.

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